Vergabe von Tokolytika wird eingeschränkt: Die Gefahr für Nebenwirkungen ist zu groß

Von Cornelia Scherpe
12. September 2013

Erwartet eine Frau ein Kind, ist das für die meisten zwar ein großer Grund zur Freude, doch nicht immer verläuft eine Schwangerschaft ohne Probleme. Beginnen beispielsweise die Wehen zu früh und es droht eine Frühgeburt, kann die Betroffene von ihrem Arzt ein sogenanntes Tokolytika bekommen. Diese Medikamente unterdrücken für einige Zeit die Wehen und können die Geburt dadurch künstlich hinausschieben.

Allerdings sind diese Medikamente nicht ganz unbedenklich und aus diesem Grund wurden die Richtlinien zur Vergabe nun verschärft. Die EMA, die Europäischen Arzneimittel-Agentur, möchte die Schwangeren auf diese Weise schützen.

Schutz der Schwangeren geht vor

Zum einen sollen die Medikamente nur noch intravenös vergeben werden, da Studien dafür die beste Verträglichkeit ermittelt haben und zum anderen dürfen nur noch Vertreter der Wirkstoffklasse eingesetzt werden, die eine relativ kurze Wirkdauer besitzen.

Diese Empfehlung bekam die EMA von dem Pharmakovigilanzausschuss für Risikobewertung (kurz PRAC). Vor allen Dingen bei der oralen Einnahme und bei Mitteln mit hoher Wirkkraft bekommen die Frauen häufig Probleme mit ihrem Blutdruck. Diese Veränderung kann so stark sein, dass sogar Herzrhythmusstörungen auftreten.

In Deutschland gibt es nun eine Infusion anstatt Tabletten

Frauenärzte in Deutschland vergeben daher nun keine Tokolytika in Tablettenform mehr, sondern bitten alle betroffenen Schwangeren zu einer Infusion. Möglich ist dies zwischen der 22. und der 37. Schwangerschaftswoche. Allerdings darf auch diese Therapiemaßnahme nicht länger als zwei Tage andauern. Nach 48 Stunden muss das Mittel wieder abgesetzt werden.

Während der Therapie sollte die permanente Aufsicht durch einen fachkundigen Arzt gesichert sein, damit dieser dennoch auftretende Komplikationen sofort erkennt und entsprechend schnell handeln kann.