Wale leiden unter Lärm - mit tödlichen Folgen

Von Ingo Krüger
9. Februar 2012

Stress zerrt an den Nerven. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Wale. Die Meeresbewohner hält der Krach durch Sonarsignale und Schiffsschrauben von ihrem natürlichen Fressverhalten ab. Sie erleiden körperliche Schäden wie Gehirnblutungen und Gefäßverletzungen. Im schlimmsten Fall sterben die Tiere an einem Herz-Kreislauf-Kollaps.

Untersuchungen von US-amerikanischen Wissenschaftlern haben nun Beweise für den körperlichen Stress ergeben, dem die Wale ausgesetzt sind. Die Biologen sammelten in der Bay of Fundy am Golf von Maine Kotproben der Meeressäuger und untersuchten diese auf Stresshormone. Dabei entdeckten sie, dass in der Zeit vor dem Anschlag am 11. September 2001 wesentlich mehr Abbauprodukte von Stresshormonen in den Proben vorhanden waren, als in der Zeit nach dem Attentat. Nach dem 11. September gab es in der Region weniger Schiffsverkehr und der Unterwasserlärm hatte sich dadurch stark verringert. Gerade die sehr niederfrequenten Töne, unter denen die Wale besonders leiden, hatten signifikant abgenommen.

In den folgenden Monaten erreichte der Lärmpegel allmählich wieder den Ausgangswert. Parallel dazu nahm auch die Konzentration des Stresshormons im Kot der Wale wieder zu. Wie sehr Wale unter dem Lärm im Meer leiden, zeigt ein Vorfall aus dem Jahre 2000. Damals strandeten 17 Tiere auf den Bahamas. Die US-Navy hatte zu dieser Zeit umfangreiche Tests mit mittelfrequenten Sonarquellen durchgeführt. Bei der Obduktion der Meeressäuger bemerkten Biologen Verletzungen an den Lungen und Blutungen im Innenohr sowie im Gehirn der Wale.

Quelle