Das Recht auf Faulheit: Warum Nichtstun so wichtig ist

Von Nicole Freialdenhoven
21. November 2013

Die Faulheit hat keinen guten Ruf: Sie gehört zu den sieben Todsünden der Christenheit und der Volksmund weiß seit langem, dass Müßiggang aller Laster Anfang ist. In der modernen Gesellschaft gilt nur derjenige etwas, der ständig unter Dampf steht, hohe Leistungsbereitschaft zeigt und an seiner Selbstoptimierung arbeitet. Faulheit ist verpönt. Das Resultat dieser Einstellung ist nicht zu übersehen: Burnouts und Depressionen nehmen zu.

So sind dann auch erste Stimmen zu hören, die der Faulheit ihren schlechten Ruf nehmen wollen. Der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann unterscheidet zum Beispiel zwischen der Trägheit (Acedia) und der konzentrierten Muße (Otium), die häufig übersehen wird.

Acedia

So darf "Acedia" - der faule passive Konsum auf der Couch - ruhig als Sünde betrachtet werden, die mit Denkfaulheit und Unachtsamkeit einhergeht.

Otium

Andererseits sollte "Otium" aber wieder mehr Beachtung erfahren: Bei dieser kontemplativen Form des Nichtstuns geht es darum, sich Zeit zum aktiven Nachdenken und Reflektieren zu geben. Dies sorgt nicht nur dafür, dass die heutige Medienflut besser verarbeitet werden kann, sondern auch für das Freisetzen kreativer und produktiver Energie.

Zeit zum Umdenken

Liessmann weist zudem darauf hin, dass die Arbeit erst seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert glorifiziert wurde - und seitdem die Fähigkeit zum Nachdenken, Philosophieren und Entspannen immer weiter nachgelassen hat. Zeit für ein Umdenken.