Risiken und Nutzen einer Krebstherapie: Faktor Lebensqualität in Deutschland vernachlässigt

Von Cornelia Scherpe
15. Januar 2014

Sobald ein Mensch die Diagnose "Krebs" bekommt, bricht für den Betroffenen und sein unmittelbares Umfeld meist eine Welt zusammen. Oft kann die moderne Medizin aber bereits mehrere Therapiemöglichkeiten anbieten, damit man gegen den Krebs im Körper ankämpfen kann. Je nachdem, wie aggressiv der Tumor ist, kann jedoch auch eine aggressive Behandlung notwendig sein. An dieser Stelle stellt sich für den Patienten und seinen Arzt die Frage, wie es sich mit dem Verhältnis von Nutzen und Risiko verhält.

Finden Risiken und Lebensqualität genug Berücksichtigung?

Beim Thema Risiko muss man daran denken, welche möglichen Nebenwirkungen die Tumorbekämpfung hat und wie stark die Lebensqualität folglich darunter leiden wird. Doch genau an dieser Stelle gibt es Experten zufolge in Deutschland ein großes Problem: Wie wichtig nimmt man eigentlich Lebensqualität? Manche Ärzte haben Angst, dass durch die Nutzenabschätzung hierzulande die Patienten schlechter behandelt werden, als in anderen Ländern.

Studien nicht nach einheitlichen Standards

Zwar gibt es immer wieder Studien und Erhebungen zum Thema, doch oft erfolgen die Untersuchungen nicht nach einheitlichen Standards. Was bedeutet das? Bei guten Studien sollte es immer zwei Gruppen geben. Nur eine Gruppe erhält dabei den neuen oder den zu testenden Wirkstoff und der Rest bekommt entweder ein Placebo oder aber das bisherige Standardmittel.

Lebensqualität durch unverblindete Studien falsch bewertet?

Außerdem sollte die Studie immer "blind" erhoben werden. Das bedeutet, dass weder den Ärzten bei der Vergabe noch den Patienten beim Erhalt der Mittel bekannt ist, in welcher Gruppe sie sind. Wird ein Test mit Patienten "unverblindet" durchgeführt, so bedeutet dies, dass man sich im Klaren darüber ist, ob der tatsächliche Wirkstoff vergeben wird oder ein Placebo. Dies bringt oft das Problem mit sich, dass bewusst und unbewusst das Endergebnis der Studie beeinflusst werden kann. Vor allen Dingen der Faktor "Lebensqualität" wird dadurch oft verfälscht.